🜂 Die Namen der Freybauern
Herkunft und überlieferte Linien
„Ein Name trägt das Erbe des Landes, und im Laut der Ahnen klingt das freie Wort.“
I. Alte Freybauern-Namen (12.–16. Jahrhundert)
Aus der Zeit freier Höfe, der Dorfältesten und ersten freien Siedler:
- Bauer / Behr / Bahr – vom mittelniederdeutschen bûr, „Haus, Hofbesitzer“.
- Schröder – vom schrôden, „schneiden“ (Schneider).
- Schulze / Schultheiß – gewählter Dorfvorsteher, Symbol der Selbstverwaltung.
- Fischer / Fick / Ficke – Wasserlinien entlang von Flüssen und Seen.
- Kneisel / Knaust / Knaak – ländliche Familien im Harzraum und östlichen Sachsen.
- Wendt / Wendtland / Wentzel – sorbisch-deutsche Siedler, oft freie Kolonisten.
- Lindner / Lindemann / Linde – Hofnamen, dort wo die Linde als Versammlungsbaum stand.
- Pape / Papenhusen / Papst – kirchliche Verwalter oder geistliche Bezugspersonen.
- Reimer / Reimann / Reinecke – von althochd. ragin (Rat) + man (Mann): Ratgeber / Ratsbauer.
II. Bürgerlich gewordene Linien (17.–19. Jahrhundert)
Aus Bauern wurden Handwerker, Händler und Stadtbürger:
- Müller / Schmidt / Schneider / Weber / Zimmermann – handwerkliche Fortführungen.
- Kaufmann / Krämer / Berger / Hoffmann / Lehmann – Handel und Besitz.
- Kühn / Stark / Klug / Fromm / Fröhlich – charakterbezogene Namen, teils Hofnamen.
- Preuß / Königsberger / Marquardt / Rogalla / Szameitat / Domnick – ostpreußische Linien mit deutschem/baltischem Ursprung.
- Wolff / Fuchs / Adler / Hirsch / Storch – Tierzeichen alter Höfe, später Familiennamen.
III. Noch heute auffindbar
Viele dieser Namen bestehen in Mitteldeutschland, Brandenburg, Pommern und ehemaligen Ostpreußen fort. Beispiele: Schulze, Wendt, Lindner, Reimer, Müller, Schmidt – häufige Fortführungen. Ostpreußische Formen wie Rogalla, Domnick, Szameitat finden sich in deutschen und litauischen Archiven und Verzeichnissen.
