Wer waren die Freibauern?

Freibauern — Menschen, die in alter Zeit in Eigenmacht und Freiheit lebten, unabhängig von Lehnspflichten oder fremder Herrschaft. Ihr Besitz war Allodialbesitz: Niemand konnte ihn ihnen nehmen, solange sie ihrer Arbeit nachgingen und ihre Gemeinschaft achteten. Sie standen zwischen Adel und Hörigen und trugen die Tradition der ursprünglichen Selbstverwaltung weiter.

Ursprung und Geschichte

Schon in der Jungsteinzeit organisierten Menschen Land gemeinschaftlich: Felder, Wälder, Weiden – alles wurde geteilt, Entscheidungen gemeinsam getroffen. Diese frühen Siedlergemeinschaften entwickelten die Markgenossenschaft, die bis in die frühgermanische Zeit (ca. 3.–8. Jahrhundert n. Chr.) überlebte.

Die germanischen Stämme führten diese Ordnung fort:

  • Familien besaßen Haus und Feld,
  • das Land gehörte der Gemeinschaft,
  • Entscheidungen wurden im Thing getroffen, einer Volksversammlung.

Mit der Ausbreitung von Kirche und Königsherrschaft entstanden Lehen und Fronpflichten. Einige Bauern behielten jedoch ihren Allodialbesitz – sie wurden zu den Freibauern, den Trägern der alten, freien Ordnung.

Geborene Souveränität

Die Freibauern zeigen: Freiheit ist nicht verliehen, sondern geboren. Souveränität entsteht aus:

  • Arbeit,
  • Boden,
  • gegenseitigem Recht unter Gleichen.

🌿 „Wer die Erde nährt, ist frei.“

Diese Idee war nicht abstrakt, sondern praktisch im Alltag verwurzelt: Eigenverantwortung, Gerichtsbarkeit und gemeinsames Entscheiden.

Friesische Freiheit & ähnliche Beispiele

  • Friesische Freiheit (um 1168, Kaiser Friedrich I. Barbarossa): Selbstverwaltung, eigene Richter, kein weltlicher Herr außer Gott.
  • Dithmarschen: Bauernrepublik bis 1559, geleitet von gewählten Kirchspielräten.
  • Schweizer Urkantone: Uri, Schwyz, Unterwalden; Basis der alten Eidgenossenschaft.
  • Island (ab 930 n. Chr.): Althing – das älteste Parlament Europas, gegründet auf bäuerlicher Selbstverwaltung.

Religiöser Hintergrund

Vorchristliche Germanen verbanden Glauben und soziale Ordnung:

  • Riten und Versammlungen (Thing) hatten sakrale Elemente,
  • Recht und Religion waren oft untrennbar.

Mit der Christianisierung wurden lokale Bräuche angepasst:

  • Alte Rechte blieben teilweise erhalten,
  • Kirche und Klöster übernahmen zunehmend Landbesitz und Gerichtsbarkeit.

So entstand ein Mix aus alten Selbstordnungen und kirchlich-feudaler Struktur, der die Freibauern prägte.

Vermächtnis

Die Freibauern stehen am Übergang von Naturrecht zu Menschenrecht, von Gemeinschaft zu Staat und von Selbstordnung zu Fremdherrschaft.

Sie erinnern daran, dass Souveränität nicht verliehen wird, sondern aus der Einheit von Mensch, Arbeit und Verantwortung lebt.

🌿 „Wer die Erde nährt, ist frei.“